Station 2 der Reise nach Reims
Weiterfiebern – Premierenfieber zur Patenproduktion „Die Reise nach Reims“
Am 30. September fand der erste Stammtisch des Freundeskreises Gärtnerplatztheater der neuen Spielzeit in der Deutschen Eiche statt. Neben den zahlreich erschienenen Mitgliedern konnten wir an diesem Abend auch KS Daniel Prohaska als Gast begrüßen.
Zuvor stand im Gärtnerplatztheater das Premierenfieber zu unserer Patenproduktion „Die Reise nach Reims“ auf dem Programm. Bereits zwei Wochen zuvor hatten unsere Mitglieder bei der Werkstattführung am 11. September einen ersten Eindruck vom Bühnenbild gewinnen können. Nun war es auf der Bühne schon nahezu vollständig aufgebaut und gab einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Premiere.
Die Reise, die nicht stattfindet
Christoph Wagner-Trenkwitz führte wie gewohnt sehr unterhaltsam und mit vielen Informationen über den Komponisten und die Entstehungsgeschichte des Werkes durch den Abend.
Gioachino Rossini soll seinerzeit von Ludwig van Beethoven den Rat erhalten haben, sich der Komödie zuzuwenden. Mit „Die Reise nach Reims“ entstand schließlich eine komische Krönungsoper, die am 19. Juni 1825 uraufgeführt wurde. Treffender als mit ihrem eigentlichen Titel ließe sich das Stück fast mit den Worten beschreiben: „Die Reise findet nicht statt.“
Schon in der ersten gezeigten Szene konnten sich die Zuschauer einen guten Eindruck vom Witz und Spielwitz der Produktion verschaffen. Im Mittelpunkt stand ein verloren gegangener Hut, der schließlich wiedergefunden wird. Das Ensemble, angeführt von Andrea Zidaric und Jennifer O’Loughlin, setzte die Szene gemeinsam mit dem Ballett ebenso temporeich wie eindrucksvoll um.
Der Regisseur und seine Sicht auf das Stück
Im anschließenden Gespräch erläuterte Regisseur Dirk Schmeding, dass ihm das Werk für die Inszenierung großen Spielraum lasse, weil es im eigentlichen Sinne kaum über eine durchgehende Handlung verfüge. Im Mittelpunkt stünden vielmehr die Begegnungen der unterschiedlichen Figuren und die Geschichten, die sich daraus entwickeln.
Gerade das groß besetzte Ensemble biete dadurch zahlreiche Möglichkeiten, eigene Akzente zu setzen. Zugleich beschrieb Schmeding das Werk als einen durchaus subversiven, gegen die höfische Welt gerichteten Stoff.
Als zweite Szene war das Sextett Nr. 3 zu erleben. Einen besonderen Akzent setzte dabei Anna Agathanos als Marchesa Melibea, die mit der Urne ihres verstorbenen Mannes in der Hand die Gesellschaft unterhielt und zugleich ihre Aufmerksamkeit den anwesenden Herren zuwandte.
Deutschlandpremiere für Enrico Lombardi
Im nächsten Gespräch stellte Christoph Wagner-Trenkwitz den italienischen Dirigenten Enrico Lombardi vor. Lombardi stammt aus jener Gegend Italiens, in der auch Rossini geboren wurde.
Abwechselnd auf Italienisch und Deutsch erzählte er von einem besonderen Erlebnis im Jahr 2023: Beim Rossini-Festival sprang er nur 28 Stunden vor einer Premiere als Dirigent ein und leitete dabei das RAI-Rundfunkorchester.
Mit „Die Reise nach Reims“ am Gärtnerplatztheater gibt Lombardi nun sein Deutschlanddebüt als Dirigent. Er betonte, dass das Werk keine eigentliche Hauptrolle kenne. Entscheidend seien vielmehr das gemeinsame Singen, Spielen und Erzählen – und genau das eröffne dem Ensemble große Freiheiten.
Besonders hob Lombardi die Atmosphäre des Gärtnerplatztheaters hervor. Sie passe hervorragend zum Humor des Stückes und zu einer Komödie, die ihren Figuren und damit letztlich auch dem Publikum immer wieder einen Spiegel vorhalte.
Zum Abschluss des Premierenfiebers erlebten die Zuschauer jene Szene, in der die vermeintliche Reisegesellschaft erfährt, dass ihre Reise nach Reims überhaupt nicht stattfinden wird. Die Nachricht sorgt erwartungsgemäß für erhebliche Turbulenzen auf der Bühne und bildete den fulminanten Abschluss eines ebenso informativen wie unterhaltsamen Premierenfiebers.
„Weiter fiebern“ mit KS Daniel Prohaska
Im Anschluss ging es für den Freundeskreis in die Deutsche Eiche, wo sich KS Daniel Prohaska zur Runde gesellte.
Prohaska ist seit 2001 regelmäßig am Staatstheater am Gärtnerplatz zu Gast und dort in zahlreichen Rollen zu erleben. Der Sohn einer britischen Opernsängerin und eines österreichischen Regisseurs wurde 2023 zum Bayerischen Kammersänger ernannt.
In der vergangenen Spielzeit war er in unserer Patenproduktion „Der Graf von Luxemburg“ als René Graf von Luxemburg zu sehen – eine Rolle, die ihm geradezu auf den Leib geschrieben scheint. Die Produktion wird am 15. Januar 2027 mit dem Operetten-Frosch des Bayerischen Rundfunks für die Spielzeit 2025/26 ausgezeichnet.
Beim Weiterfiebern blieb Daniel Prohaska nicht einfach an einem Platz sitzen: Im Laufe des Abends wechselte er immer wieder den Tisch und kam so mit vielen Mitgliedern persönlich ins Gespräch. Dabei erzählte er aus seinem Theaterleben am Gärtnerplatz, berichtete von seiner Arbeit als Sänger und gewährte auch einige sehr persönliche Einblicke in sein Künstlerleben.
So wurde aus dem Premierenfieber und dem anschließenden Weiterfiebern ein langer Theaterabend, der nicht nur einen Vorgeschmack auf unsere neue Patenproduktion gab, sondern einmal mehr zeigte, was die Veranstaltungen des Freundeskreises ausmacht: das gemeinsame Erleben von Theater und die persönliche Begegnung mit den Menschen, die es auf die Bühne bringen.